16.11.2009
voller hass
meine worte fließen aus meinen händen
wie ein fluss, ein rauschender strom
wie ein bächlein, ein rinnsal
meine wangen hinab
salzig in meine mundecke
du leckst sie fort, glaube ich
weiß es nicht, du bist nicht da
in meinen gedanken lasse ich dich nicht fort
kerkere dich ein, bis du am gitter rüttelst, mich anwinselst
flehst, dich gehen zu lassen
ich würde dich niemals nie, NIEMALS gehen lassen
niemals würde ich dich ziehen lassen
nicht mit auto, bus, zu fuss, zu pferd
deine lippen trenne ich aus deinem gesicht
lege sie in eine schachtel
jedesmal, wenn ich sie öffne
brülle ich deinen wortlosen mund an
ich will mich ausdrücken
und alles, was ich tue
ist
mich selbst zu erdrücken
wäre ich ein kreisel
würde ich mich immer weiter drehen
bis ich vor dir zu fall komme
die weißen etagen haben keinen reiz mehr
wenn ich an der büstung stehe
habe ich keine angst zu fallen
habe keine angst zu zittern
habe keine angst
kaffee über meine kleidung zu verschütten
ein schwarz-weiß gefliester boden
ein schachbrett
ein muster
ein design
ein leben
mein leben
wenn ich mich auf den weg mache
einen fuß vor den anderen
nicht straucheln
könnte mich glauben machen
ich wollte es nicht wirklich
aber ich will
in der luft tanzen
balancieren
ein ballettstück
die primaballerina
ich
nicht mein tod könnte an einem leben etwas ändern
nicht an einem einzigen
ich reisse dir jedes haar einzeln vom kopf
reisse es dir samt wurzel aus
möge da nie wieder auch nur eine blume sprießen
öffne ich den garten
dann läufst du an mir vorbei
blind
suchst die schaukel
an der du mich hin- und hergerissen hast
ich kann die worte nicht sagen
nicht schreiben
nicht fühlen
nicht erbrechen
ich kann
diesen hass
diese trauer
diese wut
diesen schmerz
nicht ausdrücken
dieses alles aufessende gefühl
open_sea - 16. Nov, 23:04
Deine Worte fanden in meinem Herzen Gehör,
Deine Augen durchbrachen den Spiegel der Angst in meinem Körper.
Du hast in mich hineingesehen und mich dennoch geliebt - so wie ich war.
Wie soll ich jemals über Dich hinwegkommen,
wo finden meine Gedanken ein Ende?
Warum schreibe ich immer noch über Dich?
Jeden Satz, den ich beginne, welcher noch ohne Hintergrund ist,
bekommt seinen Sinn durch Dich.
Seit Langem findet mein Schreiberling wieder zu Papier,
mein Kopf zu seinen Gedanken.
Ich bin frustriert.
Mein Leben eine Warteschlange.
Eine Schlange, die kein Ende findet,
in die sich Menschen hineindrängen,
bevor ich mein Ziel erreichen kann.
Vielleicht sollte ich mich einfach einmal vordrängen.
Menschen zurücklassen. Verlassen.
Ich kenne die Antwort nicht.
Noch nicht.
Doch wenn ich sie erfahre, nimmt das Warten einen kurzen Augenblick sein Ende.
Bis der nächste Mann kommt,
der sich in mein Leben drängt,
der in mich eindringt.
Irgendwann,
so hoffe ich,
lässt mich jemand die Schlange vergessen.
Bis dahin, da warte ich.
Mit kurzen Unterbrechungen.
open_sea - 15. Nov, 19:23
Weil er eines Tages nicht mehr für sie da sein konnte, verließ er sie. Die Gewissheit, sie zu verlieren, begleitete ihn jeden Tag, jede Nacht. In den Momenten, in denen sie zu zweit im Bett lagen, war es am schlimmsten. Wenn er ihr Lächeln sah, ihre Anwesenheit ihn vollkommen einnahm und sie sich feucht und keuchend an seine Schulter schmiegte, dann fuhr er mit seinen Fingern ihr kleines Gesicht entlang. Seine Gewissheit, war nicht ihre und so erfuhr sie nie, warum er an diesem einen Tag nicht mehr anrief, sie nicht mehr sehen wollte, nicht mehr spüren und begreifen wollte...
Sie saß alleine zu Hause und sah in das Glas, das vor ihr stand. Der Wein schmeckte besser als je zuvor. Sie spürte die Wirkung des Alkohols und dachte an die Zeit, bevor der Tag kam, an dem er nicht am vereinbarten Treffpunkt erschien. Jede einzelne Szene, jeder Tag und jede Minute, alles ging ihr durch den Kopf, einfach alles. Sie erinnerte sich ihrer gemeinsamen Urlaube, das erste Treffen, den Einzug in die erste gemeinsame Wohnung, dachte an den Moment, als er ihr das erste Mal sagte, er liebe sie. Tränen füllten Ihre Augen. Sie hob ihren Kopf und sah beim Fenster hinaus. Der Himmel war von grauen Wolken übersät - man merkte, es war September, dass der Tag früher als noch im August schlafen ging. Es war dunkel, in ihrer Wohnung brannte kein Licht, lediglich die kleine Tischlampe, die den im Glas ruhenden Rotwein geheimnisvoll schimmern ließ. Sie starrte wieder in ihr Glas und eine Träne suchte ihren Weg über ihre Wange bis zum Kinn, um dann leise auf die schwarze Tischplatte zu fallen. Die schwache Träne bildete einen Kreis und blickte sie wie ein Auge an. Ihr Finger tauchte in das bisschen Nass und fuhr über den dunklen Tisch.
Ein Rabe flog auf ihr Fensterbrett und reckte den Hals in das Zimmer. Traurig sah sie ihn an. „Flieg doch“, dachte sie müde, „Geh weg." Sie senkte ihren Blick und sah seinen Namen auf der Tischfläche verschwinden. Sie hatte ihn geschrieben, mit dem salzigen Nass. Sie griff nach dem bauchigen Glas und trank es in einem Zug aus. Als sie aufstand, hatte sie Angst, umzukippen. An der Sessellehne anhaltend, ging sie in die Küche und schenkte sich noch ein Glas ein. Sie lehnte sich rücklings an den Kühlschrank und hörte das monotone Summen des Gerätes. Tausend Gedanken schlichen ihr durch den Kopf. Sie schloss die Augen...
Die gemeinsame Zeit schien ihr plötzlich weiter entfernt als alles andere. Sie öffnete ihre braunen Augen und blickte in die Leere. „Du bleibst für immer“, murmelte sie, „für immer. Doch was ist schon immer, was ist ewig?" Sie setzte sich wieder an den Tisch. Der Rabe war immer noch da. „Nimmermehr“, schrie sie ihm zu. Erschrocken breitete er seine Flügel aus und segelte durch die laue Luft davon.
Ein schwarzer Fleck in der Ferne, ein schwarzer Fleck in ihrem Herz.
open_sea - 3. Nov, 19:35
Er zieht sich aus – langsam – und ich sehe ihm dabei zu. Es wirkt seltsam, wie ich da auf diesem Bett liege und darauf warte, dass mich der Kerl vögelt. Das Zimmer ist vollgerammelt mit Gewand in offenen Regalen, ein Fernseher steht auf einem kleinen Podest, Bücher liegen verstreut am Boden und auf dem unordentlichen Nachtkästchen entdecke ich eine Riesenpackung Gummis sowie einen alten Kaffeebecher, auf dem verwaschen "Für meinen Bär" steht.
Als er schließlich nackt vor mir steht, kann ich mir ein Lachen nicht unterdrücken. Er sieht so zierlich aus - muskulös, aber doch feingliedrig. Sein Schwanz ist normalgroß. Nicht außergewöhnlich, nichts noch nie Gesehenes, nichts Überraschendes. Er grinst, weil ich vor mich in gluckse, und kommt auf mich zu – keine Spur von Unsicherheit. Als wäre ich seine 100.000ste Frau. Vielleicht bin ich das. Sicher bin ich das und schaue nochmals schnell zur offenen Kondompackung.
„Im Bett?“, raunt er mir zu und ich sage: „Überall, wo Du mich haben willst.“ „Ich will Dich…“, sagt er und stockt mitten im Satz. Er sieht sich um und sein Gesicht nimmt einen verschmitzten Ausdruck an. Er hebt mich auf - und das ist bei meinen 60 Kilogramm keine Leichtigkeit – und trägt mich in den langen Flur des Vorzimmers, wo er mich auf den kalten Fliesenboden legt. Eine Gänsehaut läuft meinen ganzen Körper entlang und ich fühle den Schmerz in meiner Muschi - den Schmerz, wenn sie sich nach einem harten Schwanz sehnt.
Ich setze mich im Schneidersitz hin und rutsche mit meinem nassen Geschlechtsteil am eisigen Boden hin und her. Es macht Geräusche wie ein Saugnapf. Ich kichere.
Er greift nach meinen Titten und drückt mich nieder, sodass ich meine Beine ausstrecken muss. Als hätten wir alle Zeit der Welt kniet er sich in slowmotion nieder und versucht sich zwischen meine Schenkel zu legen. Ich weiß nicht warum, aber ein plötzlicher Impuls lässt mich verkrampfen und ich will mich nicht breitmachen. Muss wohl daran liegen, dass er ein Fremder ist und ich irre. Er schüttelt den Kopf und flüstert mir dabei leise ins Ohr: „Nein. So nicht, Lady.“
Mit seinem durchtrainierten Bein fährt er zwischen meine Knie und drückt sie auseinander. Ich keuche leise, weil ich seine heiße Spitze an der Innenseite meines Oberschenkels spüre. Währendessen spielt er die ganze Zeit mit meiner Zunge – wild, langsam, fest, bissig, leidenschaftlich, alles zusammen. Ich bin so wahnsinnig geil, dass ich sein Teil fasse und es wild zu bearbeiten beginne. Er nimmt meine Hand weg, verschränkt sie mit seiner und drückt sie über meinen Kopf auf den Boden. Mit der anderen Hand macht er dasselbe. Ich fühle mich ausgeliefert und bekomme ein ungutes Gefühl – wie schon festgestellt: ich kenne ihn doch gar nicht! Aber er ist stärker und bei der kleinsten Bewegung meinerseits drückt er meine Hände fester auf die schwarzen Fliesen. Ein Zeichen, das mir zu verstehen geben soll, dass ich keine Chance habe.
Mein Rücken wölbt sich, ich wölbe mich, dränge ihm mein Becken entgegen, in dem es überall pulsiert, und plötzlich ist meine Angst weg. Ich will ihn, und das jetzt, in mir! Er merkt es und schmunzelt. Wieso hat er mich so in der Hand? Ich glaube allmählich, er will mich in meinen geilen Zuckungen verrecken lassen, als ich ihn an meinem Muschieingang spüre. Der Atem bleibt mir weg, als er ich seine Wärme wieder an mein Ohr spüre: „Keine Angst mehr?“ Woher weiß der Penner das? Ich fühle mich durchschaut und ein bisschen fürchte ich mich wieder. Wie hab’ ich ihn gleich kennen gelernt? Achja, gar nicht…
Und plötzlich, ohne Vorwarnung und ganz erbarmungslos schnell, spüre ich seinen Harten voll und ganz in mir - größer als gedacht, der Mann. Ich stöhne kurz auf. Fast kommen mir die Tränen. Er zieht ihn raus und sieht mich fragend an. Ich sehe ihn an und doch sehe ich ihn irgendwie nicht. Wie kann ich das machen? Wieso mache ich das? Was will ich mir damit beweisen? Kein Mann wird mir je bestätigen können, was ich über mich denken sollte.
Da platze ich heraus: „Ich kann nicht. Es tut mir so leid, ich kann einfach nicht.“ Er lässt mich sofort los. Ich stehe auf, renne den Flur ins Schlafzimmer zurück, schnappe mir meine Sachen, ziehe mich eilig an und lasse dabei unwichtige Dinge wie BH aus. Er steht da und sieht mir dabei zu, wie ich die Flucht ergreife. Ich sehe ihn nicht an – nicht einmal. Will hier nur raus. Weg. Ich laufe zur Haustür und lasse sie hinter mir zuknallen. Laufe das Stiegenhaus runter, renne in die kalte Winternacht hinaus, dann bleibe ich stehen und heule – so stark wie ich es die letzten Monate mit Sicherheit nicht getan habe.
Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, als ich mich wieder fange und erschöpft nach einem Taschentuch greifen will – keine Tasche. Verdammt…Die Tasche. Ich drehe mich um und will zurückgehen, da erschrecke ich. Der Typ steht da im eisigen Wind, nur eine Pyjamahose an und hält meine Tasche in der Hand. „Suchst Du etwas?“, fragt er und kommt lässig auf mich zu. Jetzt schäme ich mich irgendwie für mein Verhalten und ich seufze: „Ja.“ Ich starre auf den Boden.
Er steht jetzt ganz nah vor mir, nur wenig größer als ich. Da hebt er mein Kinn an und sieht mir ins verweinte Gesicht. Gleich will ich wieder losplatzen, da nimmt er mich in die Arme – einfach so. Wir kennen uns nicht, aber es mir gleich. Ich erwidere die Umarmung. Meine Tränen kullern seinen warmen Rücken hinab. Seine Arme sind so kräftig, dass ich mich geborgen fühle und gar nicht lösen will. „Geht’s?“, höre ich - „Ja.“ – „Dann komm’ noch mal rein und verrat mir Deinen Namen.“ Ich nicke und schniefe wie ein Kindergartenkind. Er hält mir seine Hand hin und ich ergreife sie.
Als wir nebeneinander zur Wohnung zurückgehen, sieht er mich nachdenklich und irgendwie verunsichert von der Seite an. Ich schaue zu ihm. „Du warst doch nicht etwa noch Jungfrau?“
Ich kapiere momentan gar nichts, dann bin ich verdutzt und schließlich brechen wir beide in schallendes Gelächter aus…
open_sea - 1. Nov, 21:09